Neue Platten

Kalahari Surfers - Muti Media

Genre: Exotic Elektro
Label:African Dope Records (AL!VE)
CD - 17.01.2005

Was haben wir schön brav in der Schule gelernt? Die Kalahari ist eine wüstenähnliche, abflusslose Beckenlandschaft im Grenzgebiet zwischen Namibia, Botswana und Südafrika. Handelt es sich bei den Kalahari Surfers also um sanddünenreitende Buschmänner auf Surfbrettern? Mitnichten. Die Kalahari Surfers sind streng genommen einzig und allein der weiße Soundbastler Warrick Swinney, der sich aus Sicherheitsgründen unter dem Apartheitsystem Südafrikas Warrick Sony nannte und der Einfachheit halber heute immer noch so nennt. Drei seiner ersten Alben standen am Kap nämlich auf dem Index, weil für die damaligen Oberen zu subversiv und verwerflich. (Beispiel: die erste Single lautete: „Burning Tractors Keeps Us Warm”.)
Apartheid ging und Warrick Sony kümmerte sich von nun an vermehrt um Dub-Productionen junger Südafrikaner (wie z. B. Ghetto Muffin), knüpfte ein weiteres Album namens „Akasic Record” zusammen, tourte mit Massive Attack und arbeitete mit Orb’s Greg Hunter.
Sein neuestes Album „Muti Media” ist fast wieder ein Soloprojekt geworden, lediglich sein alter Studio-Kumpel Murray Anderson durfte mit ran an die Materie. Studiogäste waren diesmal der Dub-Poet Lesego Rampolokeng und Xhosa-Sänger Zukile Malahlana. Der Gesamteindruck bleibt indes zwiegespalten: einerseits stellen die von Swinney produzierten Sound- und Sample-Kollagen eine an manchen Stellen recht schwer verdauliche Kost dar, gehen an anderen Stellen aber wiederum ziemlich leicht ins Ohr und orientieren sich aber immer noch an dem, was ihn über die Jahre geprägt hat: Das unermütliche Benennen von Mißständen zum Beispiel, weil im heutigen Südafrika die Vergangenheitsbewältigung offensichtlich immer noch nicht erfolgreich abgeschlossen scheint. Zeilen wie „... now we have a general amnesty, and all the generals will walk free ...” sprechen eine eindeutige Sprache. Eingebettet wird das alles in düstere Dub-Riddims, massive Beats, afro-ethnische Loopkonstruktionen und jazzige Freestyle-Zitate. „Muti Media” ist also eindeutig ein politisches Album, das mit den Stilmitteln der großen Elektronik-Kiste südafrikanischen Alltag bissig und durchaus trendig kommentiert.

www.kalaharisurfers.co.za
www.africandope.co.za