Neue Platten

The Rough Guide To Bottleneck Blues - (V. A.)

Genre: Blues
Label:World Music Network (Edel Contraire)
CD, VÖ: - 02.05.2005

Da kommen nostalgische Gefühle auf. Wem der „Rough Guide To Bottleneck Blues” in die Finger gerät, dem öffnen sich – vorausgesetzt das Alter stimmt – vermutlich ganz unverhofft ein für allemal verrammelt geglaubte Türchen zur jugendlichen Sturm- und Drangphase, als man noch zur Gattung der langhaarigen Cream- und Fleetwood Mac Fangemeinde gehörte, sich mit analogen Tonbandspulen herumplagte und bei allen entsprechenden Konzerten die elterliche Ausgeherlaubnis einholen mußte. Denn der Blues (und speziell die Flaschenhals-Variante) war für viele Ende der 60er, Anfang der 70er die Einstiegsdroge in ein dauerhaftes Abhängigkeitsverhältnis zum Suchtstoff Musik. Der Rough Guide kramt die alten Krächzhälse alle wieder hervor: Blind Willie Johnson, Bukka White, Robert Johnson, Son House, Muddy Waters, die ganzen alten Mississippi-Slider, ohne die die Musikwelt heute anders aussehen würde. Der Roll & Tumble Blues (hier interpretiert von Hambone Willie Newbern) war damals in der Cream-Version von 1968 für viele der Augenöffner schlechthin.
Der Griff in die Rumpelkammer des Blues ist aber nur EIN Bestandteil dieser CD. Neil Record, der verantwortliche Jäger und Sammler hinter diesem 22-teiligen Set, war so klug, auch ein paar der gegenwärtigen Bottleneck-Spezialisten vorzustellen, die allerdings erstaunlicherweise alle aus dem Lager der Weißhäuter stammen. Der im Jazz-Zirkus recht umtriebige Bob Brozman darf da natürlich genauso fehlen wie John Fahey aus Maryland, der für sich in Anspruch nehmen kann, die schwarze Legende Bukka White wieder ausgegraben und auf die Bühnen der Welt befördert zu haben. Aber auch der Brite Martin Simpson liefert eine zutiefst gefühlvolle und entsprechend beeindruckende Interpretation eines Blind Willie Johnson-Titels ab. Und wer beim Bottleneck Blues schon immer das Gefühl nicht losgeworden ist, die Südsee milde plätschern zu hören, der findet bei dem Duo Jim & Bob aus Chicago die passende Bestätigung: Ihr „St. Louis Blues” ist Delta-Blues im Hula-Hula-Baströckchen Format. Nicht umsonst nennen sich Jim & Bob auch „The Genial Hawaiians”.

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