Neue Platten

Ian Simmons - The Burgenland Dubs

Genre: Downbeat/NuJazz
Label:Musik Krause (Kompakt)
CD, VÖ: - 10.08.2009

Und wie so oft lockt die falsche Fährte. „The Burgenland Dubs” – Was treibt einen Briten in das Burgenland, knapp hinter Wien und hart an der ungarischen Grenze und vor allem was hat der letzte Titel dieser CD mit dem schönen, an die Klassik erinnernden Namen „Wendelstein Variations”, mit dieser Region zu tun, wo doch der Wendelstein ein beliebtes Ausflugsziel an der oberbayerischen Alpenstrasse ist? Die Lösung des Rätsels liegt in der ex-DDR. Dort hin, in den Kassablanca-Klub von Jena verschlug es vor nicht allzu langer Zeit des öfteren den Elektro-Popper Simmons, der Ende der 90er in der UK-Dance-Szene eine richtig hohe Hausnummer war und auf Labels wie !K7 oder Pussyfoot mit sportlicher Klubmusik brillierte und zudem ein freundschaftlich/professionelles Verhältnis zu u.a. Frau Alison Goldfrapp pflegte. In der Nähe von Jena nun gibt es einen Landstrich am Flüßchen Unstrut, der ebenfalls „Burgenland” heißt und auf der dortigen Hauptburg, der Burg Wendelstein, ließ sich Simmons in der Folge nieder, um seiner Kreativität neue Flügel zu verleihen. So also schließt sich der geografische Kreis und wir haben alle wieder was dazugelernt. Die CD an sich ist ein ziemlich interessantes Konglomerat aus Pop, Elektro, Filmmusik, WorldBeats und Tanzflur geworden. Das geht mit arabischem Kameltreiber-Funk los und endet mit fluffig-perkussiven Poetry-Beats auf Tanz-Riddims der späten 80er Jahre. Dazwischen eine Vielzahl von raffinierten Anspielungen, die das weite Spektrum von Simmons’ musikalischem Erfahrungsschatz widerspiegeln. Verästelungen, die von jazzigen Versatzstücken über Afrobeat bis hin zu Querverweisen auf die früheren Klubaktivitäten reichen. Alles sehr intelligent und mit viel Liebe zum Detail zusammengefrickelt. Komplexe Klangarbeit in avantgardistisch-vertrackter Mosaikjazzmanier. Der Rückzug in die weithin unbekannte Welt post-sozialistischer Abgeschiedenheit hat sich gelohnt. Die „Burgenland Dubs” sind eine unbedingte Empfehlung für alle Feinkostler unter den Musikfreaks.

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