Neue Platten

Weit Weit Weg - Die Welt des - Hubert von Goisern

Genre: Biografie
Label:Residenz-Verlag
Taschenbuch - 10.03.2009

Dass das Phänomen Hubert von Goisern nicht nur von hoher musikalischer Wertigkeit geprägt ist, hat sich genügend herumgesprochen. Dass der Mensch Hubert Achleitner, der sich hinter diesem Pseudonym verbirgt, auch eine Persönlichkeit mit Hirn und Herz ist, kann man sich zwar auch ganz gut vorstellen, aber diese Vermutung wird nur ganz selten von greifbaren Fakten belegt. Bücher sind da nach wie vor eine Informationsquelle von hoher Halbwertzeit und wenn sie gut geschrieben sind, eine immer wieder gern genutzte Nachfüllpackung für das Gedächtnis. Einer der den Lebensweg von Hubert Achleitner schon sehr lange verfolgt ist der österreichische Journalist Bernhard Flieher. Als Kulturredakteur bei den Salzburger Nachrichten hat man es nicht weit bis nach Bad Goisern und die regionalen oberösterreichischen Befindlichkeiten liegen da näher als die Feuilleton-Geschichten der Wiener Hautevolee. Bernhard Flieher hat mit „Weit Weit Weg“ ein Portrait von Hubert von Goisern abgeliefert, das sich wohltuend von dem unterscheidet, was man gemeinhin an Künstlerbiografien in der Buchhandlung seines Vertrauen angeboten bekommt. Flieher hat die Herausforderung angenommen, das Phänomen Hubert von Goisern in seiner politischen, geschichtlichen, kulturellen, sozialen und popmusikalischen Dimension zu beleuchten und zu analysieren und dabei die nötige persönliche Distanz zu wahren, die notwendig ist, um objektiv zu bleiben. Und diese Objektivität bedeutet eben auch, dass er zu der Einsicht gelangt, dass Hubert von Goisern der Sohn eines Landes ist, dessen Großteil der Bevölkerung unliebsame Wahrheiten permanent verdrängt und er sich seine Volksmusik in mühevoller Kleinarbeit und gegen die erbitterten Widerstände der regionalen Bewahrer und Traditions-Zementierer erkämpfen musste. So folgt dieses Buch distanziert aber doch hautnah wichtigen Lebens- und Schaffensstationen des Hubert von Goisern und befasst sich klug und humorvoll mit den jeweiligen sozialen, politischen und kulturellen Begleitumständen. Dabei driftet Flieher zwar manches mal in etwas arg ausufernde poetische Dimensionen ab, die man auch hätte etwas kompakter halten können, aber letztendlich tragen auch diese Exkurse zum besseren Verständnis des Goiserers bei. Ein Buch also, das zu Kaufen sich wirklich lohnt. Und das trotz des etwas verunglückten Titelbildes: der Titel des Buches wäre auf der Ziehharmonika wesentlich besser platziert gewesen, als das Gesicht des Protagonisten zu verhunzen.

www.hubertvongoisern.com
www.residenzverlag.at