Neue Platten

Shantel - Planet Paprika

Genre: Balkan
Label:Essay (Indigo)
CD, VÖ: - 28.08.2009

Wohl dem, der eine zündende Idee hat. Wohl dem, der damit auch noch Erfolg hat. Shantel, alias Stefan Hantel, mutierte zu Beginn dieses Jahrtausends vom Lounge-Lizard zum Balkan-Derwisch. Er besann sich seiner familiären Osteuropa-Wurzeln, begründete 2003 den Bucovina Club und brachte in der Folge und in stetiger Kleinarbeit eine Balkan-Party-Welle auf den Weg, wie nach ihm kein zweiter. Touren bis der Arzt kommt – nur so funktioniert Propaganda. Waren es noch anfangs kleine Locations und Hinterzimmer, die er als DJ im Nu zu Dampfsaunas umfunktionierte, reist er nun mit einem zusammengewürftelten und personalseitig ständig wechselnden Orkestar von Helsinki nach Istanbul, von Amsterdam nach Wien oder von London nach Oberstdorf. Rekordverdächtig die Schlagzahl, mit der er die Spielorte abklappert. Über 250 Shows in einem Jahr macht ihm so schnell keiner nach. Das Schlagwort „Disko Partizani” ist mittlerweile zu seinem Markenzeichen geworden und steht stellvertretend für wilde Party-Stimmung, woimmer er auftritt. Das gleichlautende Album aus dem Jahre 2007 war ein Renner und man durfte gespannt sein, wie der Nachfolger aussehen würde. Mit „Planet Paprika” nun gelang es Shantel zwar wieder, ein vergnügliches Bonmot zu kreieren, allerdings wurde die Originalität der Vorgängervokabel nicht ganz erreicht. Gleiches gilt auch für den Nachfolger der Partisanen-CD. Was natürlich nicht Wunder nimmt, denn der Erfolgsdruck ist hoch und die Zeit für neue Ideen bei dem eng gestrickten Tour-Stress knapp. So bietet „Planet Parika” eigentlich nicht viel Neues, reicht aber immerhin aus, die Konzertorgie mit neuem Material weiterhin attraktiv zu gestalten. Denn eigentlich ist es dem Publikum ziemlich schnurz, was da gerade von der Bühne dröhnt. Hauptsache der Partyfaktor stimmt, die musikalische Feinarbeit ist dabei Nebensache. So mag man sich am gut produzierten Album „Planet Paprika” erneut erfreuen, weist es doch erquicklichen Partisanen-Nachschub, leider aber auch einiges an recyceltem Ideenmaterial auf. Einerseits ist Stefan Hantel ja der ganze Bucovina-Hype zu gönnen, bietet er doch endlich mal eine sportliche Alternative zum ganzen Pop-Müll an. Andererseits ist Shantel aber auch auf dem besten Wege, durch die Überbeanspruchung des augenblicklichen Erfolgs sich selbst zu verheizen. Man muss sich auch mal rar machen können. Und davon ist die Chose derzeit noch meilenweit entfernt. Momentan muss man den Eindruck gewinnen, hier wird nach dem Motto agiert: „Mitnehmen was geht, solange der Ofen noch brennt“.

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