Neue Platten

David Sylvian - Manafon

Genre: Indie
Label:Samadhisound (Galileo-MC)
CD, VÖ: - 14.09.2009

Nach längerer Abwesenheit vom Plattenmarkt nun endlich wieder Neues vom Meister der Neuen Romantik, dem Traumwandler zwischen Spoken Song und Pop-Avantgarde. Der Weg des David Sylvian von den 80er Jahren mit „Japan“ und dem Klassiker „Oil On Canvas” bis zum heutigen kammermusikalischen Handwerker zwischen Elektronik und freier Pop-Kunst war ein langer, der immer wieder mit außergewöhnlichen Exkursionen in die Gefilde strenger Musikalität aufwarten konnte. Auch „Manafon” gehört wieder zu den Platten, die eine gewisse Anlaufzeit des Sich-Anfreundens brauchen. Die darin enthaltenen neun Stücke sind spartanisch aufgebaut, leben zu allererst von der fragilen und doch so dominanten Stimme Sylvians und sind in ihrer musikalischen Dramaturgie ein wenig gewöhnungsbedürftig. Denn Hooklines, herkömmliche Refrains oder durchgängige Melodieläufe sucht man hier vergeblich. Was geboten wird sind klingende Gemälde, Stimmungsberichte und vertonte Prosa, ergänzt von Klangideen hinzugezogener Improvisatoren und Musik-Erneuerer aus Japan, Österreich und England. So werden beispielsweise Sinus-Wellen und bearbeitete Elektronik-Signale integriert, laptop-generierte Sounds eingebracht oder herkömmliche Instrumente wie Piano, Cello oder Saxophone verfremded eingesetzt. Die sich daraus ergebenden Soundcollagen erinnern immer ein wenig an einen Bastelbaukasten, erweisen sich letztenendes aber als ein künstlerisch homogenes Gesamtkonstrukt und passt daher hervervorragend zu Sylvians introvertierter Ausdrucksweise. Die Übergänge von Track zu Track sind kaum wahrnehmbar und so wird „Manafon” zu einem 50-minütigen Trip in ein Utopia der Sonderklasse.

www.davidsylvian.com