Neue Platten

Hacienda - Skip And His Elephant

Genre: Elektro
Label:Ministry of Sound (edel)
CD, VÖ: - 23.05.2005

Nun, da werden sich sicher einige erst mal ordentlich in den Ohren puhlen, wenn sie sich die neueste und fünfte Scheibe der beiden Hacienda-Rancheros Jürgen Kadel und Marcus Finger durch die Gehörgänge rauschen lassen. Denn wer da noch die Echos von „This Very Moment” oder „3rd Door Left” auf der Festplatte hat, hat bestimmt erst mal einen „Oh My God”-Flash. No more Lounge-Beats, no more Dub-Chiller und auch kein souliger Jazzhouse mehr. Hacienda haben das personalintensive Aufspielen mit Studiomusikern ad acta gelegt und sich voll und ganz auf sich selbst zurückgezogen und schwer einen auf Heimwerker gemacht. Haben Sprach-Synthesizer, Moog Prodigy und andere elektronische Filterwerkzeuge um sich versammelt und einen neuen Sound kreiert, der mit den vergangen Alben kaum mehr was zu tun hat und eher den Eindruck einer elektronischen Dampfwalze vermittelt.
Einerseits sehr konsequent, denn die Brasil-Lounge-Chill-mich Schiene ist so gut wie verschlissen und lockt schon seit längerem niemanden mehr so richtig hinter dem Kachelofen hervor. Andererseits ist das was nun auf „Skip and his Elephant” vorliegt, auch nicht gerade der mega-kreative Überflieger, den man bei einer Abkehr von Gewohntem vielleicht hätte erwarten können. Ein Bitches Brew aus 80er Elektro, Franco-Daft-Punk und Captain Future-Nachruf ist jedenfalls nach meinem Verständnis allenfalls eine gut gemachte nostalgische Rückbesinnung, mehr nicht.
Und was zum Teufel macht zum Beispiel eine Eva Padberg auf einem Hacienda-Track? Singen kann sie nicht, akzentfrei englisch plaudern auch nicht und gesampelt klingt sie auch nicht viel besser. Da lobe ich mir doch Ladies wie Marlene Johnson, Meike Röhl oder Anna Koderisch, die auf den letzten Hacienda-Scheiben so richtig schön am säuseln waren. OK, jetzt tuschelt eine gewisse Caitlin Devlin zweimal ins ins Mikro, aber irgendwie holt die Dame von Elektrochemie LK die Kartoffeln auch nicht so ganz rückstandsfrei aus dem Feuer.
Genug nun der Nörgelei, es gibt auch ein paar Pluspunkte. Der einizige fremdsprachige Titel „Sempre em movimento” setzt ein paar nette disko-housige Akzente mit portugiesischem Sprechgesang, fetter Bassline, Flipperplucker-Samples und sphärischen Gitarrenfäden. Mr. Crazy Jason hat sich wieder mit einem feinen Raggadub zurückgemeldet, und auch der bereits erwähnte Daft Punker hat nicht unbeachtliche Floor-Qualitäten. Diese kleinen Negerküsse können aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Gesamteindruck eher zwiespältig bleibt.

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