Neue Platten

Boban i Marko Markovic Orkestar - Devla

Genre: Balkan
Label:Piranha (Indigo)
CD, VÖ - 16.10.2009

Der Wechsel ist vollzogen. Wo Marko Markovic 2003 als schüchterner, pubertärer Jüngling noch etwas unbeholfen neben seinem Vater auf der Bühne stand und versuchte, ihm flügelhorn-technisches Paroli zu bieten, ist er 6 Jahre später dank väterlicher Protektion nun selbst ein Könner des Fachs geworden, hat die Regentschaft über Daddy’s Vorzeige-Orkestar komplett übernommen und versucht nun, seine eigene Vorstellung von Balkan-Gypsy-Fusion unter die Leute zu bringen. Die CD „Devla” bekam den bedeutungsschwangeren Untertitel „Blown away to Dancefloor Heaven” und dies deutet an, wohin die Reise in Zukunft gehen soll: Raus aus der Enge serbischer Traditionsmusik, hinaus in die weite Welt des Gypsy-Funks, wo man die Nase in allerlei fremde Territorien steckt und Ideen aufgreift, die zur Erweiterung des tsiganen Musik-Horizonts dienen sollen. Dies war zwar bereits die Misson von Boban Markovic, hatte aber zu Zeiten seiner uneingeschränkten Regentschaft noch das Flair von intelligenter Weitsicht eines gereiften Trompeters. Sohn Marko spinnt diesen Faden nun zwar weiter, aber letztendlich trägt sein jugendlicher Wunsch nach Veränderung mehr zur Verwässerung alter Ideale bei, als dass wirklicher Zündstoff dabei herauskommt. Viele Stücke, die Marko Markovic nun selbst ersonnen hat, zeichenen sich eher durch den halbherzigen Versuch aus, mit Hilfe von konstruierter Scheinvirtuosität und Anleihen aus der HipHip- und PopJazz-Kiste der heimatlichen Tradition neuen Pepp zu verleihen, was aber eher zu einer kurzen Verpuffung führt, als dass die Sache wirklich kracht. Dafür hämmern die Bass-Beats nun unverhohlen und künstlich verstärkt, die Bläserarrangements wirken oftmals uninspiriert und die Vokal- bzw. Rapeinlagen sind kaum der Rede wert. Schade um die wenigen erwähnenswerten, weil brilliant geblasenen Stücke wie z. B. „Hopa Cupa”, „Rommano Biav" oder der Bajramovic-Hit „Maruska”, die im Topf der Durchschnittlichkeit allzuleicht unterzugehen drohen.

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