Neue Platten

Beyond Istanbul 2 - (V. A.)

Genre: Türkei Crossover
Label:Trikont (Indigo)
CD, VÖ: - 16.10.2009

Gleich einem Maulwurf ist Ipek Ipekcioglu, ihres Zeichens Berliner Produzentin und DJane türkischer Herkunft, mit „Beyond Istanbul 2” nun noch tiefer in die Materie vorgedrungen, die sie schon auf ihren beiden Vorgänger-Alben beim Münchener Trikont-Label („Beyond Istanbul“ und „Import Export à la Turka“) beackert hat: alternative Mucke aus der Türkei und der dazugehörigen Diaspora, Musik die sich weitab vom gängigen Türken-Lala-Mainstream befindet, dadurch um ein Vielfaches interessanter ist und zudem auch noch einen Teil ihres eigenen Selbstverständnisses darstellt. Es ist Musik, die weniger nach dem Dancefloor schielt, sondern mehr und vor allem den Facettenreichtum türkischer Klangkultur aufzeigen will, die weder der Gemüsehändler um die Ecke noch der Döner-Mann am Bahnhof vorrätig hat. Musik, die man nur ausfindig machen kann, wenn man mit ganzer Seele dabei ist, ein ordentliches Maß an Sendungsbewußtsein hat, Scheuklappen jeglicher Art abgelegt hat und nebenbei auch noch das deutsch-türkische Miteinander verbessern will. Dennoch darf man nicht vergessen, dass Musik kein Allheilmittel gegen Dumpfbackentum auf welcher Seite auch immer sein kann. Insofern ist die löbliche interkulturelle Mission, auf der sich Ipek zweifelsohne befindet, auch immer etwas begrenzt. Doch zurück zum Inhalt der bis zum Rand vollgepackten CD: Subkultur von heute und Aufbruchsmusik aus der Atatürk-Ära reichen sich die Hand, Anatolisches Volkslied steht gegen Orient-Rap, türkischer New Wave stößt auf alte Hochzeitsmusik, Tänze der Ägäis konkurrieren mit Kurdenrock. Das schöne an dieser Platte ist die Vielfalt. Alles wird per Textheft erläutert und veranschaulicht. Die Welt braucht mehr Personen vom Schlage Ipeks, kulturelle Sozialarbeiter, die dazu beitragen, stereotype Klischees - in welcher Ecke auch immer - abzubauen.

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