Neue Platten

Annwn - Aeon

Genre: Mittelalter Folk
Label:Galileo Music Communication
CD, VÖ: - 23.10.2009

Es hätte schlimmer kommen können. Die folkloristische Auseinandersetzung mit der Musik des Mittelalters endet nicht selten in einer verkopften und nur schwer nachvollziehbaren Verklärung, die sich dann musikalisch in zirzensicher Theatralik und unglaubwürdiger Pathetik äußert. Die Gruppe Annwn aus der Region deutscher Mittelgebirge, wo einst die Kelten hausten, umschifft diese Klippen der aufgesetzten Verkünstelung einigermaßen geschickt. Zwar ist auch ihre Musik nicht frei von andächtiger Verklärung, aber dank der gut durchdachten und instrumentell abwechslungsreich umgesetzten Arrangements fällt das Hören leicht und stößt nur selten auf strapaziös überfrachtete Klischees. Wichtigstes Element bei Annwn („die Anderswelt” der inselkeltischen Mythologie) ist die Stimme von Sabine Hornung. Ein klares Organ, das sich glaubwürdig und einfühlsam in die verschiedenen Stimmungen versetzen kann, aus denen sich die Stücke der verschiedenen Zeitepochen und kulturellen Regionen zusammensetzen. Sephardische (jüdisch-spanische) Gesänge, Traditionelles aus der Bretagne oder Korsika, Stücke aus Galizien, Schottland oder Schweden sorgen für ein wechselvolles Hörerlebnis. Die große Menge der mitwirkenden Musiker verteilt sich geschickt auf die 12 Titel, die sich zu einem Album zusammenfügen, das gewiss seine Reize hat und mit teilweise herrlichen Melodien aufwarten kann. Zwar gilt die australisch-britische Truppe Dead Can Dance immer noch als das Nonplusultra der mittelalterlich angehauchten Neoklassik, dennoch kann man das Album „Aeon” der Gruppe Annwn mit ihrer etwas mehr folkloristisch ausgerichteten Herangehensweise als eine geglückte Wiederaufnahme des mittelalterlichen Fadens einordnen.

www.annwn-music.de