Neue Platten

Kottarashky - Opa Hey!

Genre: Balkan Elektro
Label:Asphalt Tango (Indigo)
CD, VÖ: - 13.11.2009

Aus den Tiefen Osteuropas frisch auf den Tisch. Beim Berliner Label Asphalt-Tango war man mal wieder sehr fleißig und hat neue Kanäle angezapft. Vergessen wir einmal das ganze scheppernde Gypsy-Blech, die melancholisch getränkten Russen­beats und den aufgekratzten serbischen Roma-Rockabilly, mit dem die Berliner in letzter Zeit von sich reden gemacht haben. Neu in deren Programm ist nun ein netter junger Mann aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia, der eigentlich Architekt hat werden wollen. Was bei ihm vermutlich mit AutoCAD oder Nemetschek begann, ist nun – so mutmaßen wir – durch eine schicke Musiksoftware wie z. B. ProTools ersetzt worden und das macht ja schließlich auch wesentlich mehr Spaß. Wir haben es also mit einem ausgebufften Soundfrickler zu tun, der hier sein Erstlingswerk vorgelegt hat. Nikola Gruev alias Kottarashky gehört zu den Pseudomusikern, die lieber mit Samples, denn mit richtigen Instrumenten jonglieren. Wer dieses Hand­werk aber richtig versteht, kann es damit weit bringen. Erinnert sei hier nur an so unterschiedliche Leute wie DJ Shadow (USA) oder den Ungarn László Hortobágyi, die auf dem Gebiet des tüftlerischen Festplatten-Musizierens in der allerersten Liga spielen, wenn auch in gänzlich unterschiedlichen Arenen. Kottarashky dagegen ist ein Youngster von gerade mal 21 Jahren, der in akribischer Kleinarbeit die Sounds seiner osteuropäischen Heimat zu einem Opus zusammengestöpselt hat, das in seiner musikalischen Durchschlagskraft mehr als erstaunlich ist. Alle nur erdenklichen Schnipsel, von Romasongs und Balkan-Blues, über Psychedelica und Jazz bis hin zu historischen Feldaufnahmen und internationalen Percussionsfetzen, hat er mit großer Übersicht und einem instinktiven Gespür für zeitgemäße Beats und Grooves in griffige Songstrukturen gepresst, als stammten sie geradewegs von einer multikulturellen Megasession wild zusammengewürfelter Musiker aus einem Aufnahme­studio um die Ecke. Da wird das Zuhören zu einer Erlebnisreise von ganz besonderer akustischer Qualität. „Opa Hey!” hat also nichts mit einer Aufforderung an den Großvater zu tun, jetzt mal endlich sein Nickerchen zu beenden. Es ist vielmehr ein „Hoppa Hey”, die Aufforderung an alle Freaks dieser Welt, zu den Beats von Kottarashky das Tanzbein in Bewegung zu setzen.

www.asphalt-tango.de