Neue Platten

Cheatin’ Soul - (V. A.)

Genre: Soul/Blues
Label:Trikont (Indigo)
CD, VÖ: - 23.05.2005

Man muß nicht unbedingt ein uneingeschränkter Fan schwarzer Musik sein, um sich an diesem hochgradig emotionsgeladenen Werk gütlich zu tun, denn um was es hier geht, ist eigentlich ein sehr universelles Thema, das allerdings vor allem durch die Musik der Schwarzamerikaner zu einer beseelten Kunstform im wahrsten Sinne des Wortes wurde: die Liebe in Soul und Blues. Denn kaum eine andere Bevölkerungsgruppe hat bei diesem Gefühlsstau über das Vehikel Musik so viel dramatischen Dampf abgelasssen, wie die schwarzen Blues- und Soul-Legenden der 60er und 70er aus dem Süden der Vereinigten Staaten. Was damals an Herzschmerz, Herzeleid und Liebeskummer alles in die schwarze Rille gepresst wurde, zählt mit zum Eindrucksvollsten, was amerikanische Kultur je hervorgebracht hat.
Als kompetenter Feldforscher erweist sich da einmal mehr Trikonts Master-Compiler Jonathan Fischer, der bereits mit einer Vielzahl anderer „Black & Proud”-Produkte seine unschlagbare Kompetenz in Sachen Black Radical Music unter Beweis gestellt hat. Richtig radikal an diesem „Cheatin’ Soul”-Sampler ist allerdings nur die entwaffnende Ehrlichkeit, mit der sich hier manche Brothers und Sisters über das Thema „Fremdgehen, Verlassenwerden und Versöhnung” auslassen. Denn wo bei bisherigen Fischer’schen Exkursionen in die Historie der Schwarzmannmucke beispielsweise der Black-Panther-Bewegung eine musikalischen Plattform geboten wurde, Hardcore Preachern oder boxenden Großmäulern ein Denkmal gesetzt oder über das Phänomen „Schwarze Country-Musik” referiert wurde, geht es hier diesmal um den ganz profanen Liebesalltag in all seinen Schattierungen. Und da gibt es eine Menge an exquisitem Material zu entdecken. 23 eindrucksvolle Beiträge zum Thema Moral, Schuld, Verzweiflung und persönlicher Freiheit hat Fischer da zusammengetragen und man ist zu Recht erstaunt über die exquisite Auswahl, die hier stilsicher und vor allem kitschfallenfrei aufgetischt wird. Von international profilierten Künstlern wie Joe Tex, Clarence Carter oder Ann Peebles bis hin zu einer ganzen Latte von hierzulande größtenteils unbekannten Croonern männlichen und weiblichen Geschlechts (und genau die sind die eigentlichen Überraschungseier dieser Platte) reicht die Angebotspalette und verhilft so dem tiefgründigen „Southern Soul” zu einem längst überfälligen Revival.

www.trikont.de
www.amazon.de