Neue Platten

Folka - Wirbelwind

Genre: Neue Schweizer Volksmusik
Label:Phonag Records (Bergtöne)
CD, VÖ: - 20.07.2009

Auch wenn die traditionelle Familienstruktur im Zeitalter von IT, Singlehaushalt und egozentrischem Konsumrausch scheinbar schon lange zu Grabe getragen wurde, so freut es einen doch umso mehr, wenn man auf so etwas wie die CD „Wirbelwind“ von Folka trifft, wenn sich also noch irgendwo Restbestände familiärer Musikkultur ausfindig machen lassen und das auch noch fast vor unserer Haustür. Im Schweizer Kanton Zug lebt und agiert die Familie von Flüe. Ein Vorbild in Sachen Privatinitiative, ein, wie wir hoffen, intakter Personenverbund und daher ein perfektes Kleinunternehmen. Vater Roland studierte an der Swiss Jazz School in Bern im Hauptfach Tenorsaxophon, spielt aber hauptsächlich die Klarinette; Tochter Vera bringt ihren breiten Erfahrungsschatz an Violinen- und Kontrabassarbeit ein, Sohn Lucas sorgt für das perkussive Element und Youngster Julian spielt das Akkordeon, liebt nicht nur Ländlermusik, sondern auch Schweizer Dialekt-Hip-Hop und Jazz. Mutter Sabina schließlich hält die geschäftlichen Fäden in der Hand. Alle zusammen sind Folka und Folka machen „Alpine Groove Music”. Wer nun denkt, diese vielleicht etwas hausbacken anmutende Familienkombo erschöpft sich im Aufkochen von verstaubter Heidi-Romantik oder gestriger Ländler-Idylle, der irrt gewaltig. Das von Flüe-Quartett ist zwar der Schweizer Traditionsmusik eng verbunden, denkt aber nicht im Traum daran, es damit bewenden zu lassen. Entsprechend den Erfahrungen, die der von Flüe-Nachwuchs bereits ausgiebig mit Elementen der Rock-, Pop- und mittelschweren Beatmusik gemacht hat, gestaltet sich das Repertoire auf „Wirbelwind“ entsprechend polyglott. Swing, Tango, Ballade, Mazurka, Walzer und Back-Beats treten gegen Ur-Ländler, Schottische und traditionelle Alphornweisen an. Eigenkompositionen und Neubearbeitungen halten sich dabei die Waage. Das Ergebnis ist ein ungezwungener und spielerischer Umgang mit Tradition und Innovation. Auch wenn in der Schweiz nicht alles glänzt, was Gold ist, so findet doch dort, vielleicht mehr als anderswo, noch eine Rückbesinnung auf eine Wertekultur statt, die andernorts vielleicht schon ausgestorben oder im virtuellen Cyberspace verschwunden ist. Die Familienkapelle Folka jedenfalls sollte sich in ihrem weiteren munteren Treiben nicht beirren lassen.

www.folka.ch