Neue Platten

Snorre Schwarz - Petit Berlinois

Genre: IndiePop
Label: Phonector (Phonector)
CD, VÖ: - 11.12.2009

Er trommelt bei der Grinen Kuzine, bei Maximilian Hecker oder in den 90ern bei der Gruppe „Die Fremden“ und musste mit ansehen, wie andere ihren Herzen Flügel gaben. Irgendwann auch mal dem eigenen Herz Luft zu machen war da natürlich eine logische Folge, vor allem wenn man ein kleiner verkappter Poet ist und Snorre Schwarz heißt. Snorre ist ein Berliner Junge und um dies noch zu unterstreichen, kleidet er sich gerne als erwachsener Steppke im 30er Jahre Outfit, mit Ballonschiebermütze, derbem Anzug und weißchen Schuhchen. Und schließlich war es dann soweit: Snorre Schwarz goes solo. Die 11 Stücke seiner Debut-CD, die er unter dem Titel „Petit Berlinois”, also als „kleiner Berliner”, zusammengefaßt hat, zeigen ihn allerdings von einer ganz anderen Seite: Komplett ohne Trommelstöcke und ganz intim in einer überschaubaren Trio-Besetzung. Er konzentriert sich hier ganz auf seine warme Stimme (die leider an manchen Stellen allzu weich und dadurch etwas zu dumpf abgemischt ist) und läßt sich von seinen beiden Freunden Aidan Bartley an der Gitarre und Florian Grupp an den Keyboards begleiten. Liebevolle Kurzgeschichten, die durchaus in starker Konkurrenz zu den Geistesblitzen von Sven Regner gesehen werden können, werden in sorgsam austarierte Arrangements gekleidet und bestechen nicht selten durch ihre charmante Melodieführung. Es sind Geschichten aus dem Halbdunkel der Großstadt, Geschichten einer verlorenen Seele, die manchmal aber auch in der Lage ist, in Zickzacklinien zu denken und wie Heinz Strunk Poesie ad absurdum zu führen (siehe das 52-sekündige „Blitschitz”). Snorre Schwarz hat mit seinem ersten Solo-Werk einen echten Glückscoup gelandet. Poetische Traumwelten zwischen Pop und Indie, zwischen Spieluhr und Bahnhofschronometer, meisterhaft unkonventionell in klingende Preziosen verwandelt.

www.snorreschwarz.de