Neue Platten

Rip van Winkle - Songs from the Funny Farm

Genre: IndiePop
Label: Wer Wie Records (Galileo MC)
CD, VÖ: - 18.12.2009

Die Suche nach einem einprägsamen Bandnamen fördert so manche spleenige Idee zutage. Zunächst erarbeiteten sich die Musiker um Christian Götz ab Mite der 90er Jahre mit dem seltsamen Idiom „Höngdobel” in der Münchener Szene den Ruf einer schrulligen, aber erfolgreichen Backingband, die Lesungen, Kabarett, Theateraufführungen und Bühnenshows von sperrigen bayerischen Künstlern wie Oskar Maria Graf, Georg Ringsgwandl oder Sigi Zimmerschied begleiteten. 2006 dann löste sich der Höngdobel in Luft auf und kehrt nun Ende 2009 als „Rip van Winkle” zurück, einer amerikanischen Sagengestalt, die ursprünglich von Washington Irving ersonnen wurde. Ein seltsamer Kauz, der 20 Jahre lang einen Zauberschlaf schlief und plötzlich in einer ihm neuen Umgebung wieder aufwachte. Nomen est omen. Der bayerische Rip van Winkle war indes sehr rege und kreativ tätig und bastelte sich binnen 3 Jahren einen neuen Sound zurecht, der mit akustischen und elektrischen Instrumenten, mit deutschen und englischen Texten und 11 fragilen Songs zwischen Pop, Punk, Blues, Jazz und Minimal-Music das neue Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. Befremdliche Töne und doch irgendwo einnehmend. Sperrig zuweilen und doch eingängig. Humpelnd und doch irgendwie vorwärts kommend. Eine Patchwork-Musik, die aus dem Fundus von Element of Crime, Tom Waits oder alten Blueshelden schöpft, mit Violoncello, Violine, Flötenorgel, Harmonium, Klarinette, Vibraphon, Saxophon, Trompete und „Unterwassergitarre” hantiert und das schräge Element als roten Faden deklariert. Gefällige Hooklines sucht man vergebens, wird aber durch ausgeklügelte Texte und vielschichtige Ideenkollagen belohnt. Bayerisch ist an dieser Musik so rein gar nichts, vielmehr erinnert das Agieren dieser Kombo tatsächlich an den verschrobenen Hinterwald, aus dem Rip van Winkle ursprünglich stammt.

www.rip-van-winkle.de